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DAS ERBRECHT Nachlass gesetzliche Erben Erbreihenfolge Erbquoten

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DAS ERBRECHT

Nachlass

Das Erbrecht regelt, wer erbt und wie der Nachlass zwischen der überlebenden Ehefrau bzw. dem überlebenden Ehemann und den übrigen Erbinnen und Erben geteilt wird.

Bei Tod geht das gesamte Vermögen (Aktiven) einschliesslich der Schulden (Passiven) automatisch und kraft Gesetz auf die Erben über (Universalsukzession). Dieses Vermögen, der so genannte Nachlass, gehört zunächst allen Erbenden gemeinsam. Diese können grundsätzlich nur gemeinsam darüber verfügen und bilden deshalb eine Erbengemeinschaft (einfache Gesellschaft). Somit ist vorerst zu jeglichen Handeln Einstimmigkeit erforderlich.

Damit der Nachlass bestimmt werden kann, muss zuerst die güterrechtliche Abrechnung unter den Eheleuten durchgeführt werden. Sobald sein Umfang und die einzelnen Erbanteile feststehen, kann die Erbschaft unter den Erben geteilt werden.

Können sich die Erben über die Art und Weise der Teilung nicht einigen, so steht jedem Erben die Erbteilungsklage zu, d.h. letztlich wird das Gericht die Teilung vornehmen.

gesetzliche Erben

Liegt keine letztwillige Verfügung (Testament oder Erbvertrag) vor, bestimmt das Gesetz, wer erbt. Der überlebende Ehegatte ist nach Gesetz immer erbberechtigt. Die Erbberechtigung der übrigen Familienmitglieder hängt vom Verwandtschaftsgrad ab. Dabei wird zwischen drei Stämmen unterschieden:

1. Verwandte des ersten Stammes sind die direkten Nachkommen: Kinder und Grosskinder,
2. Verwandte des zweiten Stammes sind die Eltern, Geschwister des Erblassers und deren Nachkommen,
3. Verwandte des dritten Stammes sind die Grosseltern des Erblassers und deren Nachkommen, d. h. Tanten, Onkel, Cousinen und Cousins etc..

Erbreihenfolge

Die Erbreihenfolge ist wie folgt geregelt: Sind Nachkommen des ersten Stammes vorhanden, geht der ganze Nachlass an Personen, welche dem ersten Stamm zu gerechnet werden. Solange Erben eines vorangehenden Stammes vorhanden sind, kommen Personen der nachfolgenden Stämme nicht als Erben in Frage. Der überlebende Ehegatte ist neben allen Stämmen immer erbberechtigt.

Erbquoten

Liegt weder ein Testament noch ein Erbvertrag vor, richtet sich die Höhe der Erbanteile nach den gesetzlichen Bestimmungen.

Der Erbanteil des überlebenden Ehegatten hängt davon ab, wer sonst neben ihm noch erbberechtigt ist:

- Sind Kinder (Nachkommen) vorhanden, so erhält der überlebende Ehegatte die Hälfte der Erbschaft.

Drei Viertel bekommt der überlebende Ehegatte, wenn die Erbschaft mit Verwandten des zweiten Stammes (Eltern etc.) geteilt werden muss.

Sind lediglich Verwandte des dritten Stammes vorhanden, bekommt der überlebende Ehegatte die gesamte Erbschaft.

Berücksichtigung nicht gemeinsamer Kinder

Kinder aus früherer Ehe oder aus einer anderen Partnerschaft haben von Gesetzes wegen kein Erbrecht gegenüber der Stiefmutter oder dem Stiefvater. Alles, was ein Stiefelternteil vererbt, geht an seine direkten Verwandten. Etwas anderes gilt nur, wenn die Stiefkinder in einem Testament oder in einem Erbvertrag berücksichtigt werden.

Nutzniessung bei gemeinsamen Kindern

Sind lediglich gemeinsame Nachkommen vorhanden, so kann dem überlebenden Ehegatten mit einer letztwilligen Verfügung (Testament oder Erbvertrag) anstelle eines Eigentumsanteils die Nutzniessung am ganzen Nachlass zugewiesen werden, d.h. dass die Nachkommen so zwar Eigentümer des geerbten Vermögens werden, der überlebende Ehegatte aber bis zu seinem Lebensende die Erträge erhält und verbrauchen kann, und das Vermögen verwalten darf.

Erbrecht bei ausländischer Staatsangehörigkeit

Es kommt grundsätzlich das Erbrecht zur Anwendung, welches am Ort des letzten Wohnsitzes des Verstorbenen Gültigkeit hat.

Ausländer, welche in der Schweiz wohnen, können mit einem Testament oder einem Erbvertrag bestimmen, dass ihr Nachlass nach den Regeln ihres Heimatrechts verteilt werden soll. Fehlt eine entsprechende Anordnung, findet das schweizerische Erbrecht Anwendung, falls eben der letzte Wohnsitz in der Schweiz war.

Letztwillige Verfügungen (Testament und Erbvertrag)

Allgemeines

Mit einer letztwilligen Verfügung kann der Erblasser seinen Nachlass anders verteilen, als es das Gesetz vorsieht. Allerdings müssen den Nachkommen und dem überlebenden Ehegatten – oder, wenn keine Nachkommen vorhanden sind, den Eltern – einen bestimmten Teil des Nachlasses vermachen. Dieser Teil wird Pflichtteil genannt, der andere Teil Ihres Nachlasses, über den der Erblasser frei bestimmen kann, heisst verfügbare Quote.

Letztwillige Verfügungen können in Form eines Testamentes oder in Form eines Erbvertrages errichtet werden

Mit einem Testament oder einem Erbvertrag kann auch die Teilung im Einzelnen anders geregelt werden. So kann zum Beispiel angeordnet werden, dass ein bestimmter Gegenstand der einen Tochter, ein anderer dem Sohn gehören soll (Teilungsvorschriften). Der Wert dieser Sachen wird der Tochter und dem Sohn an deren Erbteile angerechnet, wenn nichts anderes bestimmt wird.

Testament

Mit einem Testament bestimmt der Erblasser, dass bei seinem Tod sein Nachlass anders verteilt werden soll, als im Gesetz vorgegeben. Damit kann er zum Beispiel dem überlebenden Ehegatten mehr zukommen lassen als im Gesetz vorgesehen oder auch Personen begünstigen, die sonst nicht erbberechtigt (eingesetzte Erben, Vermächtnisnehmer) wären, zum Beispiel Freunde und Bekannte. Das Testament kann jederzeit geändert, aufgehoben oder durch ein neues ersetzt werden.

Es gibt zwei Möglichkeiten zur Errichtung eines Testamentes:

Verfassung und Errichtung bei einer Urkundsperson (Notar oder Notariat)

Errichtung eines eigenhändiges Testament Dies muss von Anfang bis Ende handschriftlich abfassen, von Hand mit einem Datum versehen (Tag, Monat und Jahr) und schliesslich unterschreiben werden.

Erbvertrag

Ein Erbvertrag wird zwischen zwei oder mehreren Personen abgeschlossen. Er ermöglicht es verbindlich festzulegen, wer von den beteiligten Personen was erben soll, wenn eine der Vertragsparteien stirbt. Eheleute können sich mit einem Erbvertrag gegenseitig begünstigen. Damit der Erbvertrag gültig ist, muss er bei einem Notar (Urkundsperson) abgeschlossen werden. Im Unterschied zum Testament kann dieser Erbvertrag nicht mehr alleine abgeändert oder aufgehoben werden. Vielmehr müssen alle am Vertrag beteiligten Personen einer Änderung zustimmen. Sobald eine Person, welche am Erbvertrag mitgewirkt hat, gestorben ist, wird der Erbvertrag im Prinzip unabänderlich.

Der Pflichtteil und die frei verfügbare Quote

Auf den Pflichtteil setzen heisst, gewissen Erben das Minimum an Erbteil zu belassen, denn das Gesetz erkennt einem nahen Verwandtenkreis einen Pflichtteilsschutz zu . Der Pflichtteil ist jener Teil der Erbschaft, der einem Erben nicht entzogen werden darf. Der Pflichtteil ist eine Quote vom gesetzlichen Erbteil. Für die Pflichtteilsberechnung muss daher immer zuerst der gesetzliche Erbteil ermittelt werden.

Den nicht pflichtteilsgeschützten Teils des Erbes nennen wir die frei vefügbare Quote.

Pflichtteile nicht verletzen! Pflichtteile berechnen wir vom Erbschaftsvermögen vor Abzug von Vermächtnissen.

Hintelassene Erben

Erbteil

Pflichtteil vom
Nachlass

Verfügbare Quote vom Nachlass

Nachkommen

100%

3/4

1/4

Beide Eltern, Vater
Mutter

50%

50%

1/4

1/4

1/4
1/4 (zusammen 1/2)

Ein Elternteil allein,
keine Geschwister

 

100%

 

1/2

 

1/2

Ein Elternteil, Geschwister

50%

50%

1/4

---

1/4

1/2 (zusammen 3/4)

Nur Geschwister oder deren Nachkommen

 

100%

 

-

 

100%

 

Die Erbteilung

Nach der güterrechtlichen Abrechnung wird der Nachlass geteilt. Liegt keine letztwillige Verfügung vor, erfolt die Teilung nach den gesetzlichen Vorschriften. Liegt eine letztwillige Verfügung vor, so ist die Teilung nach dieser vorzunehmen, vorbehältlich allfälliger Anfechtung bei Pflichtteilsverletzungen.

Handbuch zum Schweizerischen Ehe- und Erbrecht

Die Eheschliessung

Rechte und Pflichten der Eheleute

Das Ehegüterrecht

Das Erbrecht

Die Ehescheidung

verfasst durch
Fürsprecher Roland Padrutt
Rechtsanwalt

 

Erbrechtsreform 2015
 


Fürsprecher Roland Oscar Philippe Padrutt Rechtsanwalt

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