Neue Umweltbundesamt-Studie: Norm- und Realverbrauch von PKW

© Umweltbundesamt/B.Gröger

Wien, 6. November 2015 – Das Umweltbundesamt hat im Auftrag der AK untersucht, wie groß die Differenzen bei Verbrauch bzw.  CO2 Emissionen zwischen Realbetrieb und Typprüfmessung in der Österreichischen Neuwagenflotte sind. Hierfür wurden für die Jahre 2000 bis 2013 für die jeweils zulassungsstärksten 30 Fahrzeuge die Verbrauchsangaben der Hersteller mit Realverbrauchsdaten verglichen. Die Studie wurde am 6. November bei einer Veranstaltung in der AK präsentiert.

Abweichung beim Verbrauch

Der Abstand zwischen den offiziellen Verbrauchsangaben für die Fahrzeuge und dem realen Verbrauch hat  deutlich zugenommen: Im Jahr 2000 lag die Differenz zwischen Testangaben und Realverbrauch der zulassungsstärksten Fahrzeuge  bei 7%, bis 2013 erhöhte sich der Abstand auf 27%.

Grund für diese Abweichung sind realitätsferne Fahrzyklen, die in den Verbrauchstests zu absolvieren sind. Diese spiegeln reales Fahrverhalten (speziell Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeit) nur unzureichend wieder. Höhere Motorlasten werden u.a. in den bestehenden Tests kaum abgefragt. Weitere Einflussfaktoren, wie etwa tiefe Temperaturen, werden nicht berücksichtigt. Zusätzlich zu der mangelnden Abbildung realer Betriebsbedingungen verfügen moderne Fahrzeuge über elektronische Motorsteuerungen, die eine gezielte Adaptierung des Fahrzeugs an den Prüfzyklus ermöglichen. Hierdurch werden im Testbetrieb niedrige Verbrauchs- und Emissionswerte erzielt, die im Realbetrieb teils weit überschritten werden. Diese Adaptierung ist nach den geltenden rechtlichen Rahmenbedingungen gesetzlich zulässig.

Abweichung bei NOx-Emissionen

Bei den Stickoxid-Emissionen der PKW sind ebenso Abweichungen zwischen Test- und Realbetrieb festzustellen. Die ab dem Jahr 2010 geltenden Immissionsgrenzwerte für Stickstoffdioxid (NO2) in Österreich können an vielen verkehrsnahen Messstellen nicht eingehalten werden. Wie die Messungen der letzten Jahre zeigten, haben NOx-Emissionen und  die Konzentrationen in der Umgebungsluft nicht in dem Ausmaß abgenommen wie es die Abgasgesetzgebung ursprünglich erwarten ließ. Dies ist u.a. auf die Diskrepanz zwischen Emissionsgrenzwerten und Testergebnissen unter Laborbedingungen und den Fahrzeugemissionen im realen Fahrbetrieb zurückzuführen.

Die derzeitige Testpraxis führt zu teils hohen Abweichungen bei Verbrauchsangaben, was zu einer reduzierten Glaubwürdigkeit der Verbrauchsangaben bzw. nicht vorhersehbaren Mehrkosten im Betrieb führt. Bei Treibhausgasen und Schadstoffen werden hierdurch Mehremissionen verursacht, die etwa zur Überschreitung der Nationalen Emissionshöchstmengen beitragen.

Weitere Informationen:

Ingeborg Zechmann, Pressesprecherin Umweltbundesamt, 01/31304-5413

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