§ 1 UWG

Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb BGBl. Nr. 448/1984 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 79/2007

Inkrafttretensdatum: 12.12.2007


I. ABSCHNITT

ZIVILRECHTLICHE UND STRAFRECHTLICHE BESTIMMUNGEN

1. Handlungen unlauteren Wettbewerbes

Unlautere Geschäftspraktiken

(1) Wer im geschäftlichen Verkehr

§ 1.

  • eine unlautere Geschäftspraktik oder sonstige unlautere Handlung anwendet, die geeignet ist, den Wettbewerb zum Nachteil von Unternehmen nicht nur unerheblich zu beeinflussen, oder 1.
  • eine unlautere Geschäftspraktik anwendet, die den Erfordernissen der beruflichen Sorgfalt widerspricht und in Bezug auf das jeweilige Produkt geeignet ist, das wirtschaftliche Verhalten des Durchschnittsverbrauchers, den sie erreicht oder an den sie sich richtet, wesentlich zu beeinflussen, 2.
  • kann auf Unterlassung und bei Verschulden auf Schadenersatz in Anspruch genommen werden.

(2) Wendet sich eine Geschäftspraktik an eine Gruppe von Verbrauchern, so ist Durchschnittsverbraucher das durchschnittliche Mitglied dieser Gruppe. Geschäftspraktiken gegenüber Verbrauchern, die voraussichtlich in einer für den Unternehmer vernünftigerweise vorhersehbaren Art und Weise das wirtschaftliche Verhalten nur einer eindeutig identifizierbaren Gruppe von Verbrauchern wesentlich beeinflussen, die auf Grund von geistigen oder körperlichen Gebrechen, Alter oder Leichtgläubigkeit im Hinblick auf diese Praktiken oder die ihnen zugrundeliegenden Produkte besonders schutzbedürftig sind, sind aus der Sicht eines durchschnittlichen Mitglieds dieser Gruppe zu beurteilen.

(3) Unlautere Geschäftspraktiken sind insbesondere solche, die

  • aggressiv im Sinne des § 1a oder 1.
  • irreführend im Sinne des § 2 2.
  • sind.

(4) Im Sinne dieses Gesetzes bedeutet

  • „Produkt“ jede Ware oder Dienstleistung, einschließlich Immobilien, Rechten und Verpflichtungen; 1.
  • „Geschäftspraktik“ jede Handlung, Unterlassung, Verhaltensweise oder Erklärung, kommerzielle Mitteilung einschließlich Werbung und Marketing eines Unternehmens, die unmittelbar mit der Absatzförderung, dem Verkauf oder der Lieferung eines Produkts zusammenhängt; 2.
  • „wesentliche Beeinflussung des wirtschaftlichen Verhaltens des Verbrauchers“ die Anwendung einer Geschäftspraktik, um die Fähigkeit des Verbrauchers, eine informierte Entscheidung zu treffen, spürbar zu beeinträchtigen und damit den Verbraucher zu einer geschäftlichen Entscheidung zu veranlassen, die er andernfalls nicht getroffen hätte; 3.
  • „Verhaltenskodex“ eine Vereinbarung oder einen Vorschriftenkatalog, die bzw. der nicht durch die Rechts- und Verwaltungsvorschriften eines Mitgliedstaates der Europäischen Union vorgeschrieben ist und das Verhalten der Unternehmen definiert, die sich in Bezug auf eine oder mehrere spezielle Geschäftspraktiken oder Wirtschaftszweige zur Einhaltung dieses Kodex verpflichten; 4.
  • „Aufforderung zum Kauf“ jede kommerzielle Kommunikation, welche die Merkmale des Produkts und den Preis in einer Weise angibt, die den Mitteln der verwendeten kommerziellen Kommunikation angemessen ist und den Verbraucher dadurch in die Lage versetzt, einen Kauf zu tätigen; 5.
  • „unzulässige Beeinflussung eines Verbrauchers“ die Ausnutzung einer Machtposition gegenüber dem Verbraucher zur Ausübung von Druck – auch ohne die Anwendung oder Androhung von körperlicher Gewalt –, wodurch die Fähigkeit des Verbrauchers, eine informierte Entscheidung zu treffen, wesentlich eingeschränkt wird; 6.
  • „geschäftliche Entscheidung eines Verbrauchers“ jede Entscheidung dessen darüber, ob, wie und unter welchen Bedingungen er einen Kauf tätigen, eine Zahlung insgesamt oder teilweise leisten, ein Produkt behalten oder abgeben oder ein vertragliches Recht im Zusammenhang mit dem Produkt ausüben will, unabhängig davon, ob der Verbraucher beschließt, tätig zu werden oder ein Tätigwerden zu unterlassen; 7.
  • „berufliche Sorgfalt“ den Standard an Fachkenntnissen und Sorgfalt, bei dem billigerweise davon ausgegangen werden kann, dass ihn der Unternehmer gemäß den anständigen Marktgepflogenheiten in seinem Tätigkeitsbereich anwendet. 8.

(5) Der Unternehmer hat in Verfahren auf Unterlassung oder Schadenersatz nach Abs. 1 bis 3 die Richtigkeit der Tatsachenbehauptungen im Zusammenhang mit einer Geschäftspraktik zu beweisen, wenn ein solches Verlangen unter Berücksichtigung der berechtigten Interessen des Unternehmers und anderer Marktteilnehmer wegen der Umstände des Einzelfalls angemessen erscheint.

Inhaltsverzeichnis: Alle Paragraphen zum Gesetz UWG

Paragraphen
UWG Anlage 1
UWG § 0
UWG § 1 Unlautere Geschäftspraktiken
UWG § 1 a Aggressive Geschäftspraktiken
UWG § 2 Irreführende Geschäftspraktiken
UWG § 2 a Vergleichende Werbung
UWG § 3
UWG § 4
UWG § 5 Einziehung
UWG § 6
UWG § 7 Herabsetzung eines Unternehmens
UWG § 8 Geographische Angaben
UWG § 9 Mißbrauch von Kennzeichen eines Unternehmens
UWG § 9 c Verkauf gegen Vorlage von Einkaufsausweisen, Berechtigungsscheinen und dergleichen
UWG § 10 Bestechung von Bediensteten oder Beauftragten
UWG § 11 Verletzung von Geschäfts- oder Betriebsgeheimnissen. Mißbrauch anvertrauter Vorlagen
UWG § 12
UWG § 13 Zivilrechtliche Ansprüche in den Fällen der §§ 10 bis 12
UWG § 14 Anspruch auf Unterlassung
UWG § 14 a Auskunftsanspruch
UWG § 15
UWG § 16 Umfang der Schadenersatzpflicht
UWG § 17 Haftung mehrerer für einen Schaden verantwortlicher Personen
UWG § 18 Bestimmungen über die Haftung für Handlungen im Betrieb eines Unternehmens
UWG § 19
UWG § 20 Verjährung zivilrechtlicher Ansprüche
UWG § 21 Einstellung unerlaubter Mitteilungen in Druckwerken
UWG § 22
UWG § 23
UWG § 24 Einstweilige Verfügungen
UWG § 25 Urteilsveröffentlichung
UWG § 26 Ausschließung der Öffentlichkeit der Verhandlung
UWG § 27
UWG § 28
UWG § 28 a
UWG § 29
UWG § 31
UWG § 32
UWG § 33
UWG § 33 a
UWG § 33 b
UWG § 33 c
UWG § 34
UWG § 35
UWG § 36
UWG § 37
UWG § 38 Anwendbarkeit des Gesetzes auf land- und forstwirtschaftliche Erzeugnisse und Leistungen
UWG § 39 Bildliche Darstellungen und sonstige Veranstaltungen
UWG § 40 Schutz von Ausländern
UWG § 41 Vergeltungsrecht
UWG § 42 Übergangsbestimmungen
UWG § 43
UWG § 44 Inkrafttreten
UWG § 45 Bezugnahme auf Gemeinschaftsrecht
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